addyi

Neues Potenzmittel für die holde Weiblichkeit

Wohl jeder kennt die kleinen, blauen und rautenförmigen Pillen, die seit 1998 den Männern zuverlässig zu einem schöneren Sexualleben verhelfen. Viagra war eine Zäsur auf dem Markt der Potenzmittel, der sicherlich seitdem milliardenschwer geworden ist. Allerdings konzentrierte sich die Pharmaindustrie lange Zeit ausschließlich auf die sexuellen Bedürfnisse der Männerwelt und hatte weniger die sexuelle Unlust der Frau im Blick. Dies hat sich inzwischen grundlegend geändert. In den USA wurde nun das erstes Viagra für Frauen zugelassen. Wenn der Weg dahin auch holprig war, das Präparat kann sich zu einem echten Erfolgsprodukt entwickeln. Allerdings melden sich auch skeptische Stimmen zu Wort.

Kurioses De ja-vú auf dem Pharmamarkt

Den Spitznamen „Potenzmittel für Frauen“ paßt zu dem Wirkstoff Flibanserin nur aus einem einzigen Grund. Weniger aufgrund der Wirkung, die sich von dem im Viagra befindlichen Wirkstoff Sildenfafil deutlich unterscheidet, als vielmehr durch die Entwicklungsgeschichte, die sich kurioserweise mit der von Viagra weitgehend deckt. Denn ursprünglich hatten weder Pfizer, der Entwickler von Viagra, noch Boehringer Ingelheim, das Pharmaunternehmen, das Flibanserin entdeckt hatte, die Entwicklung eines Potenzmittels im Kopf. Im Gegenteil. Pfizer untersuchte die Wirkung von Sildenafil auf Patienten mit Angina Pectoris und Bluthochdruck, Boehringer Ingelheim war auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen Depressionen. Doch wie die Entwickler bei Pfizer stieß Boehringer Ingelheim bei den Untersuchungen auf einen interessanten Nebeneffekt – die positive Wirkung auf die Libido. Nur daß Flibanserin bei Frauen diese Wirkung hatte. Boehringer Ingelheim entschloß sich, die Untersuchungen zu den Depressionen auf Eis zu legen und stattdessen auf Basis von Flibanserin ein Potenzmittel zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Umfassende PR-Kampagne führte zum Erfolg

Doch hätte das deutsche Pharmaunternehmen nur mehr Atem bewiesen. Das Unternehmen hatte Flibanserin, das neue Viagra für Frauen, entwickelt und es 2010 bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde zur Prüfung eingereicht, um eine Zulassung auf dem US-Markt zu erwirken. Allerdings hatte sich das Unternehmen ein wenig verrechnet. Das zuständige Gremium konnte nicht erkennen, daß der Nutzen des Medikamentes mehr wog als die Risiken und lehnte es ab. Frustriert durch die Schlappe gab das Pharmaunternehmen nach der ersten Niederlage auf und verkaufte das Patent an das US-amerikanische Pharmaunternehmen Sprout Pharmaceuticals, das deutlich mehr Geduld zeigte und mit der richtigen Strategie schlußendlich Erfolg haben sollte. Denn nachdem die Zulassung des Medikamentes nach einer erneuten Prüfung im Jahr 2013 wieder abgelehnt wurde, startete der Konzern eine umfassende PR-Kampagne, an dessen Ende nun im August 2015 nach einer dritten Prüfung die Zulassung für den US-Markt stand. Das Medikament soll nun ab dem 17. Oktober unter dem Namen Addyi die holde Weiblichkeit in den USA beglücken. Die Erwartungen der Experten sind allerdings verhalten. Zu Recht?

Senkt die Produktion von Serotonin, steigert den Spiegel von Noradrenalin und Dopamin

Den Begriff „Viagra für die Frau“ hätte mit Lovegra eher ein anderes Medikament verdient, da es mit Sildenafil, einem PDE-5-Hemmer, denselben Wirkstoff enthält wie die kleinen, blauen, rautenförmigen Tabletten von Pfizer. Flibanserin, der Wirkstoff in Addyi, ist hingegen ein Vertreter der Antidepressiva, die eine andere Wirkung entwickeln als PDE-5-Hemmer. Als Vertreter der Psychopharmaka wirkt Flibanserin direkt im Gehirn und reduziert die Bildung von Serotonin, einem Hormon, das sich in größeren Mengen negativ sowohl auf die Psyche als auch auf die Libido auswirkt. Andererseits sorgt Flibanserin für eine vermehrte Bildung von Noradrenalin und Dopamin, Hormonen, die das Glücksempfinden steigern und Lust auf Sex machen.

Kritik an Addyi

DIE PR-Kampagne, die das Pharmaunternehmen Sprout Pharmaceuticals initiierte, um das Gremium des US-amerikanischen Gesundheitsamts zur Zulassung von Addyi zu animieren, übertönt in weiten Teilen die Diskussion der Bedenkenträger. Doch ganz zum Schweigen konnten sie nicht gebracht werden, so daß sie kurz nach der Zulassung Kritik äußerten. Denn ihrer Ansicht nach überwiegt der Nutzen des Medikaments nicht dessen Risiken und die Kritiker verwiesen unter anderem auf verschiedene Studien, die von unabhängigen Stellen durchgeführt wurden.

Zwei Wochen lang tägliche Einnahme

In diesen Untersuchungen wurden die Probandinnen nach der Einnahme des Medikaments zu dessen Wirkung gefragt. Im Durchschnitt gaben lediglich zwischen 8 und 13 Prozent der Frauen an, eine Wirkung von Addyi zu verspüren. Hinzu kommt, daß die Einnahmevorschrift ein wenig anders ist als etwa bei Viagra. Das Potenzmittel Viagra wird ca. eine Stunden vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eingenommen und zeigt zuverlässig nach 60 Minuten Wirkung, bei gleichzeitigem Alkoholkonsum etwas später. Addyi muß jedoch zwei Wochen lang täglich eingenommen werden, um überhaupt eine Wirkung zu entfalten. Dies bedeutet, daß die Frauen einmal mehr Sex im Monat haben als gewohnt – maximal.

Risiken und Nebenwirkungen beachten

Aus diesem Grund sollte genau überlegt werden, ob die Risiken und Nebenwirkungen in Kauf genommen werden. Wie bereits erwähnt, wirkt sich Flibanserin auf den Stoffwechsel des Hormons Serotonin aus. Dieser Stoffwechsel beeinflußt allerdings weitere körperliche Vorgänge, ebenso weitere Funktionen des zentralen Nervensystems, auf das Flibanserin ebenfalls wirkt. Der Wirkstoff beeinflußt daher viele weitere körperliche Funktionen. Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herz-Rhythmus-Störungen, Schwindelgefühle, aber auch Verstopfung oder Durchfall können die Nebenwirkungen des Medikaments sein.

Zulassung in Deutschland noch unklar

Frau sollte also unbedingt einen Arzt konsultieren und sich untersuchen lassen, bevor Addyi eingenommen wird, da das Medikament nicht für alle Frauen geeignet ist. Vor allem Frauen, die auf weitere Psychopharmaka angewiesen sind, sollten dies mit ihrem Arzt besprechen. Zudem muß das Medikament ohnehin von einem Arzt verschrieben werden. Allerdings ist das Medikament bislang ausschließlich für den US-Markt zugelassen worden, die Entscheidung für den deutschen Markt steht noch aus und muß durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, gefällt werden. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß das Pharmaunternehmen Sprout Pharmaceuticals einen entsprechenden Antrag stellt, da die Behörde nicht von selbst aktiv wird. Ob ein entsprechender Antrag bereits gestellt wurde, ist allerdings unklar. Das BfarM weigerte sich, Informationen zu diesem Thema herauszugeben und verwies auf bestehende Regelungen zum Datenschutz.

Veröffentlicht von

Andrea

Ich wollte einen Blog für Frauen machen, die auch Probleme haben einen Orgasmus zu bekommen. Lovegra ist das einzige Produkt welches auch bei jeder Frau wirkt. Somit haben auch wir Frauen wieder mehr Spass im Bett und nicht nur die Männer :-).